Psychosoziale Belastung amtlicher Tierärzt:innen

17:00 - 17:30 Uhr Fr. 05. Feb.

Beschreibung

Amtstierärzt:innen (ATÄ) tragen eine große Verantwortung für das Wohlergehen von Menschen und Tieren. Dafür nehmen ATÄ in Ihrem Arbeitsalltag eine Vielzahl von Rollen ein (Weich et al., 2016): ATÄ sind tierärztliche Sachverständige, Vollzugsbeamt:innen, Verwaltungsfachkräfte, Mediator:innen und Ansprechpersonen für Menschen in schwierigen Lebenslagen. Diese verschiedenen Rollen stellen unterschiedliche Anforderungen und können miteinander in Konflikt stehen.

Basierend auf einer Umfrage unter ATÄ (Jensen & Merle, 2024) wird ein Profil der psychosozialen Belastung skizziert. Die emotionale Belastung von ATÄ ist etwa so hoch wie die von anderen Angestellten in sozialen Berufen, d.h. ATÄ beschäftigen sich tagtäglich mit den Problemen anderer Menschen. Gleichzeitig sind die Arbeitsmenge und das Arbeitstempo sehr hoch. Verglichen mit den Kolleg:innen in der Praxis sind die fehlende Wertschätzung und Anerkennung durch die Tierhaltenden ein Belastungsfaktor. Konflikte und Bedrohungen bis hin zu körperlicher Gewalt kommen vor allem im Bereich des Tierschutzes regelmäßig vor. Auch die moralische Pluralität, also das gleichzeitige Bestehen verschiedener Normen und Überzeugungen, stellt für ATÄ teilweise eine große Herausforderung dar.

Auf der Seite der Ressourcen verfügen ATÄ oftmals über einen guten Zusammenhalt im Team. Zusätzlich erleben sie – im Vergleich zu anderen deutschen Angestellten – eine hohe Sinnhaftigkeit und Handlungsfreiheit (Jensen & Merle, 2024). ATÄ merken, dass ihre Arbeit eine direkte Auswirkung auf das Leben von Menschen und Tieren hat, und können meist eigenständig entscheiden, was sie wann tun und welche Entscheidungen sie treffen.
Ergänzend werden – vorbehaltlich der Verfügbarkeit – aktuelle Ergebnisse aus einer laufenden Erhebung vorgestellt, die das bestehende Bild weiter differenzieren. Der Vortrag lädt dazu ein, eigene Belastungen und Ressourcen zu reflektieren und gemeinsam über Ansatzpunkte für ein gesünderes Arbeitsumfeld nachzudenken.

Literatur
Jensen, K. C., & Merle, R. (2024). Survey on psychosocial conditions of official veterinarians in Germany: comparison with other professions and differences between age groups, gender, and workplace characteristics. Animals, 14(13), 1975. DOI: 10.3390/ani14131975
Weich, K., Dürnberger, C., & Grimm, H. (2016). Ethik in der amtstierärztlichen Praxis: Ein Wegweiser. 1. Auflage, Harald Fischer Verlag, Erlangen, Germany.

Referent

Informationen zum Programm

Veranstaltungsort

Schwabenlandhalle - Auberlen

Hauptprogramm

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17:00 - 18:00 Uhr FR. 05. FEBRUAR
Veterinary Public Health - Alte und neue Herausforderungen [Block 3]
Schwabenlandhalle - Auberlen