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Beschreibung
Was ist eigentlich Ergonomie und was hat das mit der Tierzahnheilkunde zu tun, wird man sich vielleicht fragen. Das Wort „Ergonomie“ stammt aus dem Altgriechischen, wobei ‚ergon‘ Arbeit bedeutet und ‚nomos‘ Regel oder Gesetz. Wörtlich übersetzt ist es also die Wissenschaft von der Gesetzmäßigkeit menschlicher Arbeit. Was im ersten Moment zunächst langweilig klingen mag, ist bei genauerer Betrachtung ein sehr spannender Fachbereich der Arbeitswissenschaft mit hoher Relevanz für Wohlbefinden, Lebensqualität und Freude an der täglichen Arbeit.
Ziel der Ergonomie ist es die Arbeitsbedingungen, den Arbeitsablauf und die Arbeitsgeräte für eine auszuführende Tätigkeit so zu optimieren, dass das Ergebnis optimal wird und der arbeitende Mensch möglichst wenig ermüdet oder selbst bei langanhaltender Tätigkeit vor gesundheitlichen Schäden geschützt wird.
Ergonomie beschäftigt sich also damit, die Arbeit dem Menschen anzupassen. Passt sich der Mensch der Arbeit an, ist dies auf Dauer ungesund! Auch in der Tierzahnheilkunde lohnt es sich den täglichen Arbeitsablauf unter den Blickwinkel der Ergonomie zu betrachten und zu versuchen Optimierungsmöglichkeiten auszuschöpfen.
Hierfür gibt es zahlreiche Ansätze. Da ein Großteil der Arbeit im Zahn-OP im Sitzen erfolgt, kommt einer ergonomischen Arbeitshaltung im Sitzen eine zentrale Bedeutung zu. Hierfür existiert international sogar ein eigener ISO Standard (ISO 11226). Ziel ist es dabei die natürliche S-Krümmung der Wirbelsäule zu unterstützen und die Gelenke und den Nacken in optimalen Winkelbereichen einzusetzen. Dies kann unter anderem durch die Verwendung moderner Sitzmöbel (Sattelhocker) unterstützt werden. Durch aufrechtes Sitzen wird die Rückenmuskulatur weniger beansprucht und wird gekräftigt.
Was in jüngeren Berufsjahren vielleicht nur als ein Ziehen oder Stechen empfunden wird, kann sich nach einigen Jahren beruflicher Tätigkeit zu chronischen Beschwerden ausweiten. Grund ist hierfür nicht die Konstitution, sondern in erster Linie die Körperhaltung. Aber auch die Praxiseinrichtung im Zahn-OP und die Ergonomie gehören untrennbar zusammen. Ein höhenverstellbarer OP-Tisch ist für die korrekte Einstellung der Arbeitsposition zweckmäßig und eigentlich inzwischen Standard. Beachtung bedarf auch das Beleuchtungsregime. Leistungsstarke LED-OP-Lampen ermöglichen eine optimale und möglichst schattenfreie Ausleuchtung des OP Feldes. Durch die Beleuchtungseinheit der Lupenbrille kann dies punktuell noch unterstützt werden.
Der Einsatz von Lupenbrillen ist gerade in der Tierzahnheilkunde sehr sinnvoll. Sie sind ein optimales Hilfsmittel zur Vergrößerung kleiner Details in der Maulhöhle und des Zahnbogens. Durch maximale Auflösung und Tiefenschärfe sind deutlich mehr Details sichtbar und ein präzises Arbeiten möglich. Zudem unterstützt die Verwendung einer Lupenbrille eine gesunde Körperhaltung, womit insbesondere muskulären Verspannungen und Nacken- /Rückenschmerzen vorgebeugt wird. Aber auch bei der traditionellen Lupenbrille muss der Kopf leicht nach vorn gebeugt werden. Eine Innovation stellen hierbei moderne Lupenbrillenmodelle dar, die unter ergonomischer Sicht konzipiert sind und auch bei längerer Tragedauer die Nacken und Rückenmuskulatur nicht übermäßig beanspruchen. Der Blick des Betrachters wird durch innovative Bauweise der Okulare dabei direkt auf das Behandlungsfeld gelenkt, so dass Kopf und Nacken beim Tragen gerade und in einer absolut entspannten Haltung bleiben. Lupenbrillen gibt es in unterschiedlichen Modellen mit klassischen Brillendesigns oder sportlicher Fassung. Die Standardvergrößerung 2,5 x bietet dabei maximale Sicht und Schärfe im gesamten Arbeitsfeld. Prismenlupen mit 3,5 x Vergrößerung werden für Spezialanwendungen, wie z.B. Endodontie verwendet.
Entscheidend ist die individuelle Anpassung an den Benutzer, wobei der Arbeitsabstand eine wichtige Rolle spielt, bei Brillenträgern aber auch eine Einarbeitung von Sehstärke erfolgen kann. Auch bei der Zahneinheit sind ergonomische Gesichtspunkte zu berücksichtigen, was vor allem bei der Neuanschaung von Bedeutung ist. Viele Hersteller moderner Behandlungseinheiten haben sich durchaus auf das Thema Ergonomie eingestellt. So gibt es eine Vielzahl unterschiedlicher Modelle von Dentaleinheiten - fest installiert, verschieblich über Rollensysteme oder mit Wandhalterung und höhenverstellbarem Schwenkarm. Diese gilt es optimal in den Arbeitsablauf im Zahn-OP einzupassen.
Eine zentrale Stromversorgung verhindert „Kabelsalat“ und ermöglicht einen effizienten Einsatz aller erforderlichen technischen Geräte (Sauerstoffkonzentrator, Infusionspumpe, Überwachungsmonitor, Wärmesystem …). Auch Lagerung und Positionierung des Patienten sollte unter ergonomischem Blickwinkel erfolgen. Lagerhilfen sind hierbei oft zweckmäßig. Besonderes Augenmerk sollte auch auf die Positionierung von Gerätetechnik und Dentalequipment im Zahn-OP gelegt werden, um „Leerlauf“ zu vermeiden und ein flüssiges effizientes Arbeiten zu ermöglichen. Hierbei sollten alle Bedienelemente, Instrumente und Materialien vom Behandler gut erreichbar, griffbereit zurecht gelegt werden. Dies ist durch eine individuelle Planung zu Beginn des bevorstehenden zahnmedizinischen Eingriffes sicherzustellen. Durch einen freien Blick auf Narkose- und Dentalröntgenmonitor sowie zur Tür wird zudem verhindert, dass sich der Behandelnde immer komplett aus der Behandlungssituation herausdrehen muss.
Basis für eine ermüdungsfreie und den Körper nicht übermäßig belastende Tätigkeit ist eine gesunde Arbeitshaltung. Durch wechselnde Sitzpositionen, aber auch ein zwischenzeitliches Arbeiten im Stehen (z.B. für Dokumentation und Telefonate mit Tierhaltern) lässt sich eine Entspannung für Rücken und Muskulatur erreichen. Hydraulisch höhenverstellbare Schreibtische sind hierzu hervorragend geeignet. Auch lassen sich in den Arbeitsalltag wiederholt Entspannungsübungen integrieren (hierzu werden im Vortrag Beispiele präsentiert) und es lohnt sich während der Pausen kleine Spaziergänge zur Lockerung verspannter Muskulatur zu unternehmen. Mittel- und langfristig dienen tägliche Workouts und eine Stärkung des Stütz- und Bewegungsapparates durch regelmäßige sportliche Betätigung Verschleißerscheinungen einseitiger körperlicher Belastung im Beruf zu vermeiden oder zumindest erheblich zu lindern